– Bedrohte Lebensräume 2 –

Erstmals wird in einem Brutvogelatlas die Bestandssituation aller 244 in Deutschland brütenden Vogelarten dargestellt. Von 2005 bis 2008 wurde deutschlandweit auf insgesamt 3003 Messtischblättern (jedes ca 126 qkm) der Brutvogelbestand erfasst. Derzeit werden die Meldebögen ausgewertet, um sie dann in einem gemeinsamen Werk zusammenzufassen.
Bei vielen Arten ist ein, zum Teil, dramatischer Rückgang zu verzeichnen. Dem gegenüber haben sich die Bestände verschiedener Großvögel wie Kranich, Uhu, Wanderfalke oder Schwarzstorch stabilisiert. Bienenfresser, Löffler, Zwergohreule, Schwarzkopfmöwe und Orpheusspötter sind neu nach Deutschland eingewandert.
Auf dem Messtischblatt Gräfentonna (4930), welches, bis auf Dachwig, unser Gebiet umfasst, wurden 104 Brutvogelarten in den unterschiedlichen Lebensräumen als Brutvogel nachgewiesen. Nachdem in der vorigen Ausgabe das Schicksal des Braunkehlchens bei Gräfentonna aufgezeigt wurde, sollen heute zwei weitere Arten vorgestellt werden. Als Unland wird abschätzig von Standorten gesprochen, die oft wegen minderwertigem Bodens nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Diese stellen jedoch oft Rückzugsgebiete für seltene Tier- oder Pflanzenarten dar.
Auch in Ortschaften findet man Brachflächen, auf denen sich zeitweise eine Ruderalvegetation entwickelt, wenn der Mensch nicht eingreift. Bei fortschreitender Sukzession stellen sich nach einigen Jahren Stauden, Sträucher und schließlich Bäume ein. In jedem Vegetations- bzw. Sukzessionstadium entwickeln sich Lebensgemeinschaften, die hier geeignete Nahrungs- und Lebensbedingungen vorfinden. Eine solche Fläche befindet sich in der Nähe von Döllstädt. In diesen Tagen kann man auf der Spitze eines Hagebuttenstrauches einen aufrecht sitzenden, sperlingsgroßen Vogel beobachten, der die kurzen Strophen seines einfachen Liedes ertönen lässt. Das farbenprächtige Schwarzkehlchen ist seit einigen Jahren von Westen her auf dem Vormarsch. Innerhalb des ehemaligen Truppenübungsplatzes im Hainich ist das Schwarzkehlchen bereits zahlreich vertreten. Der scharfe Kontrast: schwarzer Kopf, weißer Hals und Schulter und orangerote Brust hebt das Männchen prächtig vom noch trostlosen Hintergrund im Gewerbegebiet ab.
Im Gegensatz dazu wirkt die Grauammer schlicht und unscheinbar. Sie sucht ebenfalls eine Singwarte, von der sie unablässig ihren hohen, gleichförmigen Ruf erschallen lässt. Der dicke Schnabel weist auf einen Körnerfresser hin. Sie ist sehr selten bei uns geworden und steht auf der Roten Liste. Die Ausräumung der Landschaft, Wegfall von Sitzwarten und Nahrungsflächen, wie Nutzung und Umwandlung von Ödland, vertreibt diesen Singvogel als typischen Vertreter der offenen Feldflur immer mehr aus der Landschaft. Auch ihr gelber Verwandter, die Goldammer, weist einen starken Abwärtstrend aus. Deshalb sind auch so kleine Refugien, wie Ortsränder, Gewerbegebiete, unbefestigte Feldwege, Schutzstreifen Bachläufe und Feldraine so wichtig für das Überleben von Tierarten

Andreas Fleischmann

Kategorie: Blog

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